Akai CD-55

Akai CD-55

 

Reparaturbedürftiger CD-Player mit kuriosen Umbauten oder Gerätetuning

Bei diesem Akai CD-55 wurden im Internet angepriesene Modifikationen zur Audioverbesserung durchgeführt. Zu mir kam der stolze Besitzer des getunten Gerätes, da bei der Wiedergabe zeitweise Aussetzer auftraten, bei fast jedem Titelsprung noch kurz im Schnellvorlauf das Ende des vorherigen Musiktitels angespielt wurde und sich zusätzlich die CD-Lade teilweise nicht öffnen ließ.

Bei Umbauten oder getuntes Gerät vor allem, wenn diese Umbauten nicht fachgerecht durchgeführt wurden, ist die Erstellung eines Kostenvoranschlags zu einem Pauschalpreis nicht möglich. Es wird je nach Aufwand berechnet.


Mein erster Rat an den Kunden war: Kaufen Sie sich einen anderen gebrauchten CD-55. Diese werden teilweise weit unter 100 Euro gehandelt.

Da der Kunde den CD-55 aber unbedingt in Silber wollte und diese Farbvariante eher schwer zu bekommen ist, sollte dieser dennoch unbedingt repariert werden. Auch mein Vorschlag, einfach das Gehäuse zu tauschen, fruchtete nicht.

Bei der Überprüfung stellte ich dann fest, dass die durchgeführte Modifizierung (Verbesserung) auch das Entfernen von kleinen Keramikkondensatoren im Bereich der Audioanschlüsse beinhaltete.

Gleich beim Kunden nachgefragt: Warum???

Diese 0,022-µF-Keramikkondensatoren sind zwischen dem Gehäuse und der Audiomasse verbaut und dienen zum Schutz gegen elektrostatische Störungen, um hochfrequente Signale abzuleiten, Brummschleifen zu verhindern, ...

Laut Kunde wurde in einem Internetforum davon gesprochen, dass der Einbau dieser Kondensatoren eine wahre Schande von Akai sei und das Signal stark filtere.

Etwas fassungslos habe ich dann nach einer kurzen Suche im Internet tatsächlich bei einer Anleitung zum Tunen des Akai CD-55 auch folgenden Satz gefunden: And HORROR - brown ceramic capacitors on the RCA sockets - meaning that AKAI filters out high tones from the signal by brutal shunting.
Boooooooo...... Akai. Shame.


Aber wohlgemerkt: Diese Kondensatoren sind von der Audiomasse zur Gehäusemasse geschaltet, siehe Ausschnitt vom Schaltplan, und haben somit keinen Einfluss auf das Audiosignal.

Das heißt, der wahre HORROR sind eher Aussagen von so manchen selbst ernannten HiFi-Helden. Schlimm ist es dann, wenn Laien daran glauben und so nach Anleitung versuchen, Geräte zu verbessern.

Auffällig war bei diesem Umbau auch, dass beim Berühren der Cinch-Anschlüsse mit der Hand während des Abspielens einer CD gelegentlich plötzlich nur noch ein Rauschen anstelle der Musik abgespielt wurde.

Warum wohl war dieser CD-55 so empfindlich auf elektrostatische Störungen? Kann wohl nicht daran liegen, dass die schlimmen braunen Keramikkondensatoren, die das verhindern sollten, entfernt wurden.

Das heißt, man sollte vielleicht nicht alles glauben, was so im Internet steht, oder zumindest hinterfragen.

Zumindest konnte dieser CD-55 wieder erfolgreich instand gesetzt werden. Zusätzlich zu den fehlenden Keramikkondensatoren war dann auch noch der Servo-IC defekt, eine Kabelbuchse schlecht eingelötet, bei einem Mikroschalter die Halterung gebrochen und ein blankes, loses Drahtstück klebte auch noch in Flussmittelrückständen auf der Platine, ...

PS: Der Kauf eines anderen gebrauchten CD-55 in Schwarz und dann bei diesem das Gehäuse zu tauschen, wäre sicher günstiger gewesen.


Hauptplatine vom Akai CD-55 mit unsinnigerweise entfernten Keramikkondensatoren.
Ausgebaute Hauptplatine mit einigen durchgeführten „Verbesserungen“. Die Operationsverstärker-ICs wurden gesockelt eingebaut – ja, kann man machen. Einige Elkos wurden durch MKS-Folienkondensatoren ersetzt, dagegen spricht nichts. Auch sonst wurden einige Elektrolytkondensatoren getauscht. Dass ein Elko aber zur mechanischen Sicherung direkt an das Kühlblech des 5-Volt-Stabi-ICs geklebt wurde, na ja.

Nicht nachvollziehbar ist aber das Entfernen der „schlimmen“ braunen Keramikkondensatoren an den Cinchbuchsen.
Detailaufnahme von vorne der falsch eingelöteten Buchse beim Akai CD-55
Die Buchse für das Anschlusskabel zum Open/Close-Schalter und Loading-Motor. Es wurden zwar die Lötstellen nachgelötet, aber die Buchse sitzt schief auf der Platine. Deshalb ließ sich die CD-Lade zeitweise nicht öffnen.
Detailaufnahme von der Lötseite aus, auf die falsch eingelöteten Buchse beim Akai CD-55
Auf der Aufnahme von der Lötseite aus ist schön zu sehen, dass nur die Pins auf der rechten Seite durch die Platine ragen.
Detailaufnahme der wiederhergestellten Audioanschlüsse beim Akai CD-55
Die fehlenden Keramikkondensatoren an den Cinchbuchsen wurden wieder eingebaut. Diese dienen dem Schutz gegen elektrostatische Störungen, um hochfrequente Signale abzuleiten, Brummschleifen zu verhindern, ...
Schaltplanauszug Akai CD-55 Audioanschlüsse
Im Schaltplan klar ersichtlich: Die „bösen“ braunen Keramikkondensatoren (in Rot eingekreist) bedämpfen nicht das Audiosignal (grün markiert), sondern führen von der Audiomasse zur Gehäusemasse.

Diese dienen hauptsächlich der Entkopplung von hochfrequenten Störungen und der Verhinderung von Brummschleifen.
Detailaufnahme AC Niederspannungsleitung Akai CD-55
Und noch ein kleines Tuning-Detail: Das Kabel der AC-Niederspannungsleitung von der Sekundärseite des Netztrafos zur Hauptplatine wurde mit einem gewebten Kabelmantel zusätzlich abgeschirmt. Wobei diese Abschirmung aber nicht an die Masse angeschlossen wurde.

Ob das außer der Optik einen Unterschied macht, ist wohl eher eine Frage für einen Esoteriker.
durchgeführt am 31.Juli 2026
Weitere Referenzen zum Suchbegriff:
Akai CD-55 cd-player umbau fremdeingriff Keramikkondensatoren

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